Sonntag, 24. Juli 2011

Reform der Muslime und nicht des Islams!

„Der Islam braucht eine Reform!“ Diese Forderung wird seitens einiger Wortführer in der Islam-Debatte stets Muslimen entgegengebracht. Der Islam stehe für Rückständigkeit, Frauendiskriminierung, Intoleranz und Gewalt. Der Grund dafür sei, dass der Islam ja auch keine Aufklärung durchgemacht habe. Die Lösung für all die Probleme soll darin liegen, die Quellen des Islams abzuändern oder neu zu interpretieren.
Macht man sich das nicht etwas zu einfach? So dumm und vergesslich sind nun die Extremisten auch wieder nicht, sodass urplötzlich ihre Ideologie aus den Köpfen verschwinden würde.
Meiner Meinung wird die Lehre des Islams für politische Motive missbraucht, für andere Praktiken spielen auch kulturelle Traditionen eine führende Rolle, bei denen der Islam bloß als Marke dient. Die Cola schmeckt doch einfach besser, wenn sie „Coca-Cola“ heißt!
Grundsätzlich muss die Frage gestellt werden: Welchen Islam meinen wir, wenn wir über seine Praxis sprechen? Tatsache ist, dass von Marokko bis Indonesien verschiedenste Arten von Islam gelebt werden. Es wäre nur gerecht nicht von Emotionen geleitet zu resümieren. Gerechtigkeit, die zu den Grundlagen des Humanismus zählt sollte auch in dieser Hinsicht Priorität haben.
Muss man den Islam von Grund auf umgestalten, nur weil es Menschen gibt, die diese Lehre für eigene Zwecke missbrauchen? Es sollte hierbei nicht vergessen werden, dass für eine unscheinbare Mehrheit der Muslime, der Islam Liebe und Friedfertigkeit bedeutet.
Vielleicht erscheint die Tablette für Außenstehende als ungenießbar. Solange es jedoch Menschen gibt, die aufgrund der Heilungskraft dieser Tablette Gesundheit erlangen, darf nicht ihre allgemeine Absetzung beschlossen werden.
Warum erheben sich überhaupt Stimmen für die Forderung nach Reformen des Islam? Warum gerade der Islam und nicht das Judentum, der Hinduismus oder der Buddhismus? Warum gerade in Deutschland? Muslime können doch ihre Religion in diesem Land ohne jegliche Hindernisse leben. Der Islam fordert zudem die Muslime auf entweder nach den Regeln des jeweiligen Landes zu leben oder bei Einschränkungen in der Religionsausübung aus dem Land auszuwandern. Letzteres ist in Deutschland nicht der Fall. Daher ist jeder Muslim dazu verpflichtet ausnahmslos die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland zu beachten und zu befolgen.  Solange Muslime hier friedlich leben, sich nicht unrechtmäßig in die staatlichen Belange einmischen oder durch ihre Überzeugungen an ihren staatsbürgerlichen Pflichten gehindert werden kann kein Vorbehalt gegen ihre Religionszugehörigkeit und die Forderung einer Reform ihrer Religion bestehen. Was bestehen sollte ist die Forderung einer Reform einzelner sich zum Islam bekennender Individuen, die falsch handeln.  

"Heute habe Ich eure Glaubenslehre für euch vollendet und 
Meine Gnade an euch erfüllt und euch den Islam 
zum Bekenntnis erwählt." (Koran, 5:4)

Selbstverständnis – Der Islam ist die Reform!
Gott (Allah) schuf die Welt, in sechs Zeiten. Er sorgte für das körperliche Wohlergehen des Menschen und  gleichzeitig auch für das geistige, indem er Leitung in Form von Propheten niedersandte. Der Islam sieht sich in der Linie der Religionen als letzter und vollkommener Weg zu Gott. Im Koran heißt es:  „Und es gibt kein Volk, bei dem nicht früher schon ein Warner erschienen wäre.“ (35:25). Auch Jesus, Moses oder Abraham werden gemäß der Lehren des Islams als Propheten angesehen, die für eine bestimmte Zeit und zu einem bestimmten Volk geschickt wurden. Der Mensch sollte stufenweise, gemäß seines Intellekts und Fassungsvermögens an die vollkommene Lehre des Islams herangeführt werden. Daher hat der Islam die Wahrheiten und Weisheiten der vorangegangenen Lehren in sich aufgenommen und bildet somit die vollendete Richtschnur für den Gläubigen. Er monopolisiert jedoch nicht den Weg zu Gott, indem er sagt: „Wahrlich, die Gläubigen und die Juden und die Christen und die Sabäer – wer immer (unter diesen) wahrhaft an Allah glaubt und an den Jüngsten Tag und gute Werke tut –, sie sollen ihren Lohn empfangen von ihrem Herrn, und keine Furcht soll über sie kommen, noch sollen sie trauern.“ (2:63). Es ist jedoch durch die Verfälschungen der heiligen Schriften schwierig geworden den Weg zu Gott sicher zu beschreiten. Der Koran ist die einzige heilige Schrift, die bis zum heutigen Tage unverfälscht geblieben ist. Denn für keine andere Offenbarungsschrift wurde solch ein großer Aufwand betrieben, um den Text vor Verfälschungen zu schützen. Daher soll der Islam einen Weg für alle Völker und all Zeiten sein, der ständig durch Gottes Rechtleitung gewartet wird.
Die heutige Situation der Muslime, wurde vom Propheten Muhammad [saw] vor 1400 Jahren prophezeit: „Eine Zeit wird kommen, wenn vom Islam nichts mehr übrig sein wird außer seinem bloßen Namen. Nichts wird vom Koran übrig sein als seine Worte. Die Moscheen werden voll sein von Betenden, aber sie werden der göttlichen Leitung beraubt sein. Die religiösen Gelehrten dieser Zeit werden die schlimmsten Kreaturen (auf der Erde) unter dem Himmel sein. Verderbnis wird von ihnen ausgehen; und zu ihnen zurückkehren.“ (Mishkat, Kitabul Ilm)
Es sind also die Gelehrten (Mullahs, Ayatollahs…) des Islams, die die Köpfe der Muslime kontrollieren. Und diese Köpfe kann man lediglich durch Bildung und Aufklärung für neue Gedanken öffnen. Solange die Muslime nicht ihre Taten hinterfragen und neuüberdenken, werden sie nicht für ihre eigene Reform aufnahmefähig sein. Fest steht, dass die Muslime innerhalb ihrer eigenen Reihen eine Reform vorantreiben müssen. Dies wird nicht durch äußeren Druck möglich sein.

Kommentare:

  1. "Es sind also die Gelehrten (Mullahs, Ayatollahs…) des Islams, die die Köpfe der Muslime kontrollieren. Und diese Köpfe kann man lediglich durch Bildung und Aufklärung für neue Gedanken öffnen. Solange die Muslime nicht ihre Taten hinterfragen und neuüberdenken, werden sie nicht für ihre eigene Reform aufnahmefähig sein. Fest steht, dass die Muslime innerhalb ihrer eigenen Reihen eine Reform vorantreiben müssen. Dies wird nicht durch äußeren Druck möglich sein."

    Ich finde es s chade, dass Sie so pauschal über Gelehrte urteilen. Denn schon die Auswahl der Gelehrten, denen man folgt, erfordert das eigenständige Denken. Es steht natürlich jedem frei, den Islam zu studieren und selbst Gelehrter zu werden, aber dazu sind nun mal nicht alle in der Lage, so wie auch nicht jeder Arzt werden kann. Wenn man krank ist, muss man sich also in Behandlung begeben, statt selbst an s einer eigenen Gesundheit herumzudoktern. Das schließt ebenfalls ein kritisches Herangehen an die Medinzin nicht aus, denn auch seinen Arzt sollte man sich sorgfältig aussuchen, da es auch auf diesem Feld viele Quacksalber gibt. Genauso ist es mit den Gelehrten. Nur finde ich es verfehlt, alle zu verwerfen.

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  2. "Ich finde es schade, dass Sie so pauschal über Gelehrte urteilen."

    Es stimmt, klar gibt es bestimmt Gelehrte, die die Menschen nicht manipulieren. Ich denke es ist keine Behauptung, wenn ich sage, dass die Mehrheit der Gelehrten nicht ganz ehrlich ggü anderen und sich ist. Das eigenständige Denken und Differenzieren bei "Gelehrten" ist da eher nebensächlich, wenn man folgende Aussage des Propheten liest:

    »Allah wird das Wissen von den Menschen nicht auf einmal und plötzlich hinwegnehmen. Was wirklich passieren wird, ist, dass dann, wenn ein Gelehrter stirbt, es keinen geben wird, der ihn ersetzt. Die Menschen werden unwissende Leute zu ihren Führern wählen und sie um Lösung ihrer Probleme angehen. Jene werden sie leiten, ohne selbst (den Islam) zu kennen. Somit werden die Führer fehlgeleitet sein, und sie werden die Menschen irreleiten.« (Hadith: Bukhari, Kitabul Ilm)

    Die obigen Aussagen treffen meiner Meinung nach detailliert auf die heutige islamische Welt zu. Die islamischen Gelehrten sind uneins über die fundamentalen Grundsätze des Glaubens. Es gibt unterschiedlichste Vorstellungen und Meinungen. Manche Muslime sind, getrieben von ihren Führern, gewalttätig oder politisch motiviert. Andere Gelehrte verhalten sich entgegengesetzt zu den Vorgaben des Heiligen Korans.

    Man muss aufpassen. Wenn man sich jedoch selbst reinen Herzens und einer gewissen Gottesfürchtigkeit an die Quellen des Islams wendet, wird man Rechtleitung finden. Die Wahl des richtigen Gelehrten wird dann auch leicht fallen, da man nicht nach sympathien, weniger Anforderungen etc. sucht, sondern sich wirklich um Erhaltung einer göttliche Weisung bemüht.

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  3. Danke für Ihre Antwort, die Überlieferung ist in diesem Zusammenhang sehr interessant! Auch wenn ich die etwas anders deuten würde. Bei den Quellen fängt es ja schon an. Es gibt so viele Ahadith, bei denen wir Laien doch nicht wirklich beurteilen können, welche schwach und welche sahih oder gar mawdu (erfunden) sind. Wo setzen wir dann den Maßstab?
    Salafitische "Imame" kann man in der Tat aber dabei "erwischen", wie sie selbst für ihre Urteile Überlieferungen heranziehen, die bereits für schwach befunden wurden, z.B. was die Beschneidung der Frau angeht. Hoffen sie, dass es keiner merkt?

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  4. Es gibt wirklich sehr viele Ahadith.
    Einfaches Prinzip wäre: Jedes Hadith welches gegen die Prinzipien, die der Koran ansetzt verstoßen ist als schwach anzusehen. Sicherlich sind jedoch die Sahih Hadith-Bücher zu einem größten Teils als wahr anzusehen.
    Wenn man sich da zu unsicher ist, sollte man sich auf die Hauptquelle des Islams konzentrieren, den Koran.

    Das ist meine Auffassung davon, wie heutzutage die meisten Gelehrten wirken:
    Es ist in der Tat ein gefährlicher Zustand einer Religion, die voll von soviel Übel ist, und deren angeblich religiöse Führer, anstatt in Gehorsam den Geboten ihres Gewissens zu folgen, ihren sinnlichen Begierden folgen und Anderen ihre eigenen irrigen Ansichten als heilige, von Gott und Seinen Propheten gelehrte Doktrin andrehen. Das sind Wölfe im Schafspelz, welche die Leute betrügen. Sie handeln wie Gift und behaupten, ein Gegenmittel zu sein. Sie sind Feinde der Gesellschaft und des Islam. Ihre Herzen sind ohne Anstand und Sympathie, aber sie verbergen sich. Sie setzen die Maske des Predigers auf, aber tragen sichtbar die Nachgiebigkeit gegenüber ihren eigenen sinnlichen Begierden. Sie betreten die Moscheen wie Heilige, aber ihre Sinnesart ist schwarz von teuflischen Taten. Diese ehrlosen Gestalten sind nicht begrenzt auf ein einzelnes Land oder eine Stadt oder eine Sekte, sondern man kann sie in jedem islamischen Land finden. Sie sind angeblich die religiösen Führer der Menschen und Erklärer der Lehren ihrer Religion. Sie nennen sich Maulvis und setzen eine fromme Miene auf, so dass sie als gottesfürchtige Männer gelten. Jedoch ihre Taten enthüllen ihren wahren Charakter. Sie wollen nicht, dass wahre Rechtschaffenheit und echte Sympathie in der Welt verbreitet werden, denn sie sehen dies als einen Verlust für sich selbst an.

    Wenn du in die Geschichte schaust wirst du sehen, dass erst als die Gottesfurcht immer mehr verschwand, als der spirituelle Frieden den Egoismen weichen musste, als an die Stelle der Liebe und Zuneigung Hass, Groll und Argwohn traten, wurden die Muslime der Gnaden und Segnungen beraubt, die Gott für jene bestimmt hat, die Gottesfurcht im Herzen tragen.

    Die Grundlage der Religion ist Gottesfurcht.

    Mit dem Verstand kann man sich vielleicht bis zu einem bestimmten Punkt der wahren Auslegung nähern, die letzte Sicherheit kann dir nur Allah geben, wenn man sich demütig ihm zuwendet.
    Stichwort: Demut. Wenn man mit etwas Distanz schaut, sieht man Charakterzüge einiger Gelehrter, die ganz klar den Grundprinzipien des Koran widersprechen: z.B. fluchende, schreiende, arrogante, Gewalt und Angst verbreitende Verhaltensweisen finden sich in einigen von ihnen. Demut wäre z.B. ein Maßstab.

    Der Maßstab sollte immer der Koran mit seinen Lehren sein und ganz wichtig sind hier die Charaktereigenschaften eines Gelehrten.

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